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Im Koalitionsvertrag hatte die GroKo unter anderem eine grundlegende Reform der Investmentbesteuerung vereinbart. Mit dem “Gesetz zur Reform der Investmentbesteuerung” haben Bundestag und Bundesrat dieses Vorhaben nun umgesetzt.

Viele Anleger investieren ihr Kapital nicht immer direkt in Aktien sondern auch gerne in Aktienfonds, die selber in Aktientiteln oder ETFs investiert sind. Teilweise werden solche Anteile an Aktienfonds auch im Betriebsvermögen gehalten (vgl. Artikel „Die vermögensverwaltende GmbH“).

Das bis zum Jahr 2017 geltende steuerliche „Transparenzprinzip“ wurde ab 1. Januar 2018 geändert. Aktienfonds sind nunmehr direkt mit bestimmten inländischen Erträgen körperschaftsteuerpflichtig. Dafür erfolgt auf Anlegerebene eine Teilfreistellung der Erträge aus Aktien.

Für Anleger wirken sich die neuen Besteuerungsregeln an mehreren Stellen aus:

1) Aktienfonds werden nunmehr jährlich direkt und anhand einer Pauschale besteuert werden.

2) Anleger können Quellensteuer auf ausländische Dividenden nicht mehr auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Stattdessen sind bei Aktienfonds (Aktienanteil mindestens 51 Prozent) ab 2018 pauschal 30 Prozent aller Erträge steuerfrei (Teilfreistellung). Zu den Erträgen zählen Pauschalen, Dividenden und auch der Verkaufserlös.

3) Anleger zahlen auf alle nicht befreiten Erträge 26,375 Prozent Abgeltungssteuer (inkl. Soli). Kirchensteuer ist u. U. auch zu berücksichtigen.

4) Depotbanken haben die Steuer direkt an den Fiskus abzuführen. Wer über einen Freistellungsauftrag verfügt und unter den Freibetrag von 801 Euro beziehungsweise 1.602 Euro bei Verheirateten im Jahr liegt, zahlt gar keine Steuern.

5) Bei Gewinnen, die ein Aktienfonds bis zum 31.12.2017 erzielt hat, erfolgt die Besteuerung nach den alten Regeln.

Fazit:

Diese neue Form der Anlegerbesteuerung ist erstens einfacher und zweitens steuersystematisch konsequent:

1) Während Anleger bisher bis zu 33 verschiedene Besteuerungsgrundlagen berücksichtigen müssen, reichen künftig 4 Kennzahlen für die Steuererklärung aus, nämlich die Höhe der Ausschüttung, der Wert des Fondsanteils am Jahresanfang und am Jahresende sowie die Art des Fonds (Aktienfonds, Mischfonds, Immobilienfonds oder sonstiger Fonds).

2)  Damit es beim Anleger zu keiner Doppelbesteuerung kommt, wird die steuerliche Vorbelastung auf Fondsebene sowie die fehlende Anrechnungsmöglichkeit für ausländische Steuern durch eine Teilfreistellung von Ausschüttungen kompensiert. Die Teilfreistellung erfolgt pauschal und unabhängig davon, ob und in welcher Höhe der Fonds besteuert wurde. Im Gegenzug dürfen Werbungskosten und Betriebsausgaben auch nur anteilig geltend gemacht werden.

Hinweis: Für Fondsanteile im Betriebsvermögen gibt es teilweise deutlich höhere Freistellungssätze. Allerdings werden Anteile im Betriebsvermögen beim Kapitalertragsteuerabzug zunächst wie Anteile von Privatanlegern behandelt. Die höheren Teilfreistellungen werden erst bei der Steuerveranlagung berücksichtigt. Für Privatanleger werden bei Aktienfonds 30 % der Ausschüttungen steuerfrei sein. Betriebliche Anleger erhalten eine Teilfreistellung von 60 % und Anleger, die der Körperschaftsteuer unterliegen (vgl. Artikel „Die vermögensverwaltende GmbH“), sogar von 80 %.

Disclaimer: Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Verfasser, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich im weitest zulässigen Rahmen ausgeschlossen. Der Beitrag stellt in keiner Art und Weise eine professionelle Steuerberatung dar und ersetzt diese auch nicht.

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