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In diesem Blog möchte ich mich einmal mit der Altersvorsorge in Deutschland beschäftigen. Wie ist es darum bestellt?

Als Startpunkt möchte ich ersteinmal einen Blick auf die Entwicklung der wichtigsten Indizes werfen:

Die Tabelle zeigt unmissverständlich auf, dass das Jahr 2017 eines der markantesten und bis dahin erfolgreichsten Börsenjahre der Geschichte gewesen ist. Der Dow Jones Industrial weist bereits jetzt schon eine Jahresperformance von 23,4% aus. Seit seinem letzten großen Tiefpunkt – getrieben durch die Finanzkrise – am 06.03.2009 hat er stattliche 280% zugelegt.

Wenn wir jetzt einen Großteil der Bevölkerung interviewen würden, wie es denn um ihre Finanzen steht, würden wohl die meisten so antworten: „Ich habe kein Geld verloren, aber bekomme für mein erspartes auch keine Zinsen“.

Wenn wir einen Blick auf die allgemeine Renten-Vorsorge der Bundesbürger schauen, werden wir zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Die Demographie rechnet uns vor, dass die Sozialsysteme (insb. das Rentensystem) vor großen Herausforderungen stehen. Die Politik hat hierauf sehr spät reagiert und versucht nun die Bürger über private Vorsorgeanreize zum Vermögensaufbau zu bringen.

Die sogenannte Riester-Rente ist 2002 im Rahmen des Altersvermögensgesetzes eingeführt worden. Die Finanzindustrie (insb. Versicherungen) haben hieraus eines ihrer größten Geschäfte gemacht. Der Riester-Sparer erhält zusätzlich zu seinem Sparbeitrag staatliche Fördermittel. Unter dem Strich rechnet der Vertriebler seinen Kunden vor, dass der Staat so bis zu 40% der Beiträge finanziert.

Hierzu schreibt die Wirtschaftswoche in ihrer Analyse:

„Die Wahrheit ist: Das Gegenstück der staatlichen Förderung in der Einzahlungsphase ist ein großer Nachteil der Riester-Rente bei der Auszahlung: Die Riester-Rente muss zu 100 Prozent versteuert werden. Das heißt natürlich nicht, dass der Staat 100 Prozent davon behält, sondern dass auf die komplette Auszahlung der persönliche Steuersatz anfällt.

Bleibt also die Frage, ob die Riester-Rente lohnt. Für einige Gruppen, Geringverdiener, Eltern mit mehreren Kindern, lässt sich das bejahen. Trotzdem sollten sie darauf achten, eine möglichst renditereiche Vertragsart zu wählen: Nicht die wenig aussichtsreichen geförderten Rentenversicherungen, sondern eher Fondssparpläne, die theoretisch mehr Chance auf Rendite bieten. Leider spielen in der Praxis längst nicht alle ihre Stärken aus, empfehlenswert ist etwa ein Riester-Angebot auf ETF-Basis vom Berliner Start-up fairr.de.

 

Alle anderen können getrost auch ohne Riester-Förderung fürs Alter vorsorgen, etwa mit Ratensparplänen auf kostengünstige Indexfonds. Denn allein die Riester-Förderung bringt ihnen keine hohen Renditen. Die WirtschaftsWoche hat für verschiedene Musterfälle mit 25 und 45 Jahren die Renditen einer klassischen Riester-Rentenversicherung ausgewertet. Ob bei 30.000, 52.500 oder 100.000 Euro Einkommen, die Ergebnisse unterschieden sich wenig: Allein auf Basis der garantierten Renten lagen die Nettorenditen (bei Berücksichtigung der staatlichen Förderung und der Steuervorteile bei der Einzahlung und späteren Steuernachteile bei der Auszahlung) nach 85 Jahren Lebensdauer zwischen -0,6 und -1,1 Prozent.“

Quelle: Riester Rente – Die höhere Zulage entpuppt sich als Luftnummer (WiWo)

Dieses Fazit ist für den Bundesbürger niederschmetternd.

Wenn wir uns nun die Alternativen anschauen, sehen wir wenig Licht im Dunkel. Das gesamte Retailbanking ist seit Jahrzehnten auf klassische und vor allem konservative Finanzprodukte ausgelegt. Von der Lebensversicherung, über Inhaberschuldverschreibungen bis hin zum Bausparvertrag, fast alle Modelle basieren auf zinsorientierte Anlageformen.

Die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken sorgt nun dafür, dass der Anleger derzeit kein echter Zins mehr bekommt. Die beschriebenen Finanzprodukte kippen bzw. verlieren den Faktor Zeit. Die Finanzökonomie spricht hier von kalter Enteignung.

Als Alternativen zu den zinsorientierten Produkten bieten die großen Retailbanken wie Sparkassen und Volksbanken auch hauseigene (Verbundpartner) Fondsprodukte auf Aktien an. Jetzt schauen wir uns mal diese Alternative im Vergleich zu den Indexentwicklungen an. Dabei werfen wir einen Blick auf die größten in Deutschland gehandelten Fonds:

 

Erschreckend ist zu erkennen, dass insb. die Produkte von deutschen Banken äußerst schlecht performen. Dazu zählen die DWS (Deutsche Bank), UniGlobal (Union Invest / Volks- und Reifeisenbanken und DekaFonds (Deka Invest / Sparkassen). Sicher haben diese Anbieter auch andere Fonds im Angebot, jedoch zählt in unserer Analyse nur der Fokus auf den jeweiligen Vertriebsfokus.

Wir können für uns festhalten, dass kein Fonds den Index geschlagen hat.

Für uns als kritische Anleger können wir nur daraus schlussfolgern, dass wir für uns Alternativen finden müssen.

Die naheliegendste ist, man sollte 1 zu 1 der Markt sein. Dies kann man heutzutage mit klassischen Index-Fonds erreichen. Diese zählen zu passiven Investitionsanlagen. Der Emittent bildet in einem ETF einen Index jeweils nach einem Regelwerk gewichtet ab. Und das zu äußerst geringen Kosten (oft <1%) gegenüber klassischen Fonds (bis zu 5% + Performancegebühren).

Es spielt für den ETF Fonds keine Rolle, ob ein Markt möglicherweise auf Basis historischer Kennzahlen teuer oder günstig ist. Je mehr Kapital in ETFs fließt desto, mehr fließt Kapital direkt in den Markt. Es findet keine Bewertung oder ein Risikomanagement statt.

Auf den ersten Blick scheinen ETFs die bessere Anlageform für Anleger sein. Aber dies Blick täuscht darüber hinweg, dass wie zuvor beschrieben kein Risikomanagement stattfindet. So lange der Markt läuft, so lange ist man auf der sicheren und vor allem ggü. klassischen Fonds auf der erfolgreicheren Seite.

In den letzten Jahren hat das passive Investieren über ETFs an Attraktivität gewonnen. Man schätzt aktuell, dass über 60% der Marktkapitalisierung durch passives investieren gespeist ist. Hier liegt nun auch die große Gefahr. Sollte dies so sein, würde bei einem Event wie z.B. im September 2008 mit der Lehmann-Pleite in den USA eine Massenpanik ausbrechen. Da man in ETFs einfach ein und aussteigen kann, würde mit einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit der Markt einbrechen. Die Gefahr liegt an der Stelle, dass es an fehlender Liquidität fehlen würde. Da dem Verkäufer auch immer ein Käufer gegenüberstehen muss, würde es zu großen Kurslücken kommen.

Die Geschichte wird zeigen, ob der derzeitige Trend hin zum ETF investieren für die breite Masse ein lohnendes Invest sein wird. Interessant ist auch zu sehen, wie neue Fintechs – oft geführt durch ehemaligen Bank- und Fondsmanager – auf die ETF Welle aufspringen und marketingtechnisch ihr Produkte anpreisen. Oft flankiert mit einem wissenschaftlich basierenden Risikomanagement.

Ähnliches haben in den 90er-Jahren die Nobelpreisträger Scholes & Merton, die gemeinsam mit einem erfahrenen Investmentbanker ihren revolutionären Investfund LTCM (Long-Term Capital Management) gegründet haben, über ihr wissenschaftliches Anlagemodell behauptet. Die Realität hat einige Variablen des legendären Codes verrücktspielen lassen und hat den Fonds in die größte Pleite der Geschichte getrieben. Dieser Vorgang hat den gesamten Markt ins Wanken gebracht.

Was bleibt für uns als Erkenntnis?

Wir sollten auf jeden Fall ETFs als kostengünstige Alternative zu klassischen Bankprodukten ins Auge fassen. Jedoch benötigen wir hierfür ein adäquates Risikomanagement, um nicht in Zeiten mit Crashgefahr aufgrund fehlender Liquidität im Markt nicht aussteigen können.

Nawamba beschäftigt sich jedoch in erster Linie mit klassischen Value Investing auf Basis der Philosophie von Warren Buffett. Dies ist die einzige Form, um überhaupt einen Ansatz zur Bewertung der Anlageform  zu gewinnen. Es zielt darauf ab, Unternehmen mit langfristiger Perspektive zu finden die auf Basis unserer Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt günstig erscheinen (Margin of Safety). Da spielt es dann keine Rolle ob zwischendurch mal ein Crashjahr dabei ist. Diese Unternehmen wird es auch noch übermorgen geben und sind dann oft auch die Gewinner nach einer Krise.

Wir beschäftigen uns auf nawamba.de mit dem Risikomanagement & Timing auf Basis der Großwetterlage als auch mit der Analyse und Bewertung von potentiellen Value Unternehmen.

Spot on.

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